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Verwaltungsgemeinschaft Zellingen


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Information des 1. Bürgermeisters


Bürgermeisterschaften 2018 - Radio Gong - Absage von Zellingen

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
Radio Gong veranstaltet jährlich seine sogenannten Bürgermeisterschaften. Über Telefonanrufe beim Sender kann in einem begrenzten Zeitraum für eine Gemeinde gestimmt werden (Voting). Bei einer guten Platzierung dort treten im zweiten Schritt die Bürgermeister mit Bürgern in einen Wettstreit, wo "lustige" Aufgaben zu lösen sind. Die siegreiche Gemeinde, die sogenannte "coolste Gemeinde" darf ein Konzert mit einem vorher bestimmten Künstler ausrichten.

Warum habe ich den Prozess nach dem Voting unterbrochen? Eigentlich habe ich ihn schon am Beginn, als mir das Voting bekannt wurde, mit einem Telefonat beim Sender zu stoppen versucht. Der Sender hat nicht reagiert, insofern wurde weiter gestimmt und noch mehr Menschen enttäuscht. Warum bin ich jetzt der "Böse, der Nichts für die Jugend, die Vereine, für den Zusammenhalt im Ort, ." tut? So die Vorwürfe bis mitten in die Nacht hinein.

Dieser Wettbewerb ist meiner Meinung nach durchweg "unmoralisch". Radio Gong will für seine Hörerschaft ein Konzert ausrichten. Künstler, Bühnentechnik und Werbung übernimmt Radio Gong. Den Rest muss die ausgewählte vorgeblich "coolste Gemeinde" übernehmen. Was kommt auf diese Gemeinde zu? Ein Bürgermeisterkollege berichtete mir, dass lediglich in der Vorauswahl, dem Bürgermeister-/Bürger-Wettbewerb schon 5.000 € zu Lasten der Gemeinde angefallen waren. Und auch die beteiligten Vereine waren enttäuscht, weil sich die ehrenamtliche Arbeit nicht finanziell niedergeschlagen hatte.

Dann das Konzert selbst. Zwischen 4.000 und 18.000 Besucher kamen zu den Konzerten in den letzten Jahren. Wo wollen wir so viele Besucher mit ausreichend Parkplätzen und Veranstaltungsraum unterbringen? Wer zahlt den Schaden am Gelände? Auch hier ist die Gemeinde in der Pflicht. Wer hört sich die wütenden Anrufe vieler Bürger wegen der nächtlichen Ruhestörung an? Hier trifft es neben der Polizei den Bürgermeister.

Was schwerer wiegt, ist die Verfügung über die personellen Ressourcen einer Gemeinde. Von den Votern, also denen, die beim Sender bis zu 24 Mal am Tag anrufen. Vom Bürgermeister bis hin zu den Vereinen wird erwartet, dass Zeit investiert wird. Und zwar dann, wenn Radio Gong es will. Die Voter machen das "freiwillig", wenn sich aber Schüler nachts den Wecker stellen, um stündlich Ihre Stimme abzugeben, dann ist das kein normales Verhalten mehr. Der volle Terminkalender des Bürgermeisters spielt für den Wettbewerb auch keine Rolle, andere wollen die Prioritäten bestimmen. Bei den Vereinen wird stunden- und teils tagelange ehrenamtliche Arbeit eingefordert.

Neben dem Zugriff auf die finanziellen und personellen Ressourcen der Gemeinde passiert aber noch etwas Entscheidendes. Das Verhalten mancher Personen - und das waren nicht wenige -wird zunehmend hemmungsloser. Ich "solle" meine Rathausmitarbeiter auffordern, während des gesamten Votings stündlich bei Radio Gong anzurufen. Ich "muss" mich unbedingt montags Morgen bei Radio Gong melden. Und jeder Kommunikationsweg ist da recht, zu jeder Uhrzeit. Und Datenschutz? Wenn auf meine Mitarbeiter Druck ausgeübt wird, meine Handynummer herauszugeben, dann geht auch das entschieden zu weit. Der Anstand verliert durch so einen Wettbewerb.

Meine Aufgabe ist es nicht, dem Wirtschaftsbetrieb Radio Gong zu dienen. Weder als Animateur bei den Bürgermeisterschaften, noch indem ich im Namen der Gemeinde Geld ausgebe, damit bei Radio Gong die Werbeeinnahmen steigen. Und das ist die eigentliche Unmoral des Wettbewerbes um die "Bürgermeisterschaft" und die "coolste Gemeinde". Wer Spaß haben will, soll ihn haben. Aber nicht auf Kosten anderer.

Herzlichst, Ihr Dr. Wieland Gsell, 1. Bürgermeister




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