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VGem Zellingen
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40 Jahre VGem Zellingen


40 Jahre Verwaltungsgemeinschaft Zellingen
Festrede Dr. Wieland Gsell, Gemeinschaftsvorsitzender
Thüngen, 21.04.2018


Sehr geehrte Damen und Herren, werte Fest- und Ehrengäste,
auch ich darf Sie ganz herzlich zu unserem Festakt begrüßen.

Danke!
  •  Danke an die Gründungsväter, August Zull, Gosbert Dittmaier und Theo Reuchlein
  •  Danke an alle Bürgermeister und Räte der VG der letzten 40 Jahre, inkl. der Bürgermeister und Räte der Nachbargemeinden, insbesondere der ILE
  •  Danke an die früheren und aktuellen Mitarbeiter,
  • dass sie zum Erfolgsmodell Verwaltungsgemeinschaft Zellingen beigetragen haben.
  • Danke an die Mitarbeiter, die diesen Abend vorbereitet haben:
  •  GL Wolfgang Pfister
  •  Stv. GL Michael Wegner
  •  Hanna Krönert, Margit Eisenbacher, Barbara Seubert und Melanie Herbst aus dem Vorzimmer und der Touristinformation
  •  Mitarbeiter des Bauhofes Zellingen
  •  den Mitgliedern des FC Thüngen
  •  der Blasmusik Zellingen
  •  der Metzgerei Knorr aus Duttenbrunn


40 Jahre Verwaltungsgemeinschaft Zellingen

Natürlich sind 10 Minuten zu kurz, um die 40 Jahre darzustellen, ich will mich daher nur stichpunktweise dem umfangreichen Thema widmen.
Was ist eine Verwaltungsgemeinschaft?
Die Verwaltungsgemeinschaft ist ein Zusammenschluss von benachbarten kreisangehörigen Gemeinden, unter Aufrechterhaltung des Bestandes der beteiligten Gemeinden. So beschreibt es die erwaltungsgemeinschaftsordnung des Freistaates Bayern, die Rechtsgrundlage für die Bildung einer Verwaltungsgemeinschaft ist.
Als Körperschaft des öffentlichen Rechts erledigt die Verwaltungsgemeinschaft alle Verwaltungsaufgaben für die selbständigen Mitgliedsgemeinden und ist damit auch Anlaufstelle für sämtliche Angelegenheiten der Bürgerinnen und Bürger.
Auf kommunaler Ebene werden die Aufgabengebiete unterschieden; es sind dies der "eigene" und der "übertragene" Wirkungskreis.
Bei all diesen Aufgaben ist die Verwaltungsgemeinschaft ausführendes Organ; sie bereitet die Entscheidungen der Gemeinden vor und vollzieht die Beschlüsse der Kollegialorgane.
Im übertragenen Wirkungskreis handelt die Verwaltungsgemeinschaft dagegen eigenständig und eigenverantwortlich. Den Mitgliedsgemeinden steht kein Weisungsrecht zu.
Warum Verwaltungsgemeinschaft?

Die Verwaltungsgemeinschaften wurden in Bayern im Rahmen des Ersten Gesetzes zur Stärkung der kommunalen Selbstverwaltung vom 27. Juli 1971 eingeführt, das Teil der Gebietsreform in Bayern war. Im Jahr 2017 gab es 311 Verwaltungsgemeinschaften mit 982 Mitgliedsgemeinden.

Am 5. Oktober 1973 begannen die Gespräche zur Gebietsreform hier, am 21. Mai 1974 erfolgte der Beschluss der Gemeinderäte in Retzbach und Zellingen zur Fusion, der im Dezember 1974 von der Regierung von Unterfranken bestätigt wurde. Der Markt Zellingen wird dann ab 1.Mai 1978 Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Zellingen mit der Eingemeindung von Duttenbrunn in den Markt Zellingen und dem Beitritt der weiterhin selbständigen Gemeinden Himmelstadt, Retzstadt und Markt Thüngen zur Verwaltungsgemeinschaft.

Was sich auf dem Papier so problemlos anhört, war jedoch von regen Diskussionen begleitet. Verhandlungsausschüsse wurden gebildet. Natürlich ging es auch ums Geld, damit gut Zuschüsse der Regierung für diese Umstrukturierung herausgehandelt werden konnten. Auch gab es bald nach Gründung wieder Ablösungstendenzen, so von der Zellinger SPD im März 1979, so Himmelstadt im April 1979, eine Woche später Thüngen. Auch in den 90er Jahren und danach waren immer wieder Stimmen für einen Austritt aus der Verwaltungsgemeinschaft zu hören.

Die Vernunftehe hält bis heute, es muss aber weiterhin viel für den Zusammenhalt getan werden. Warum?

Ich will das im Folgenden darstellen, indem ich das Wort "Verwaltungsgemeinschaft" mal zergliedere.


Was heißt eigentlich "Verwaltung"?

Es gibt eine einfache Definition, nämlich "dynamische Prozesse rechtssicher zu gestalten". Das ist nicht einfach dahin zu gelangen.

Exkurs zum Teilwort "alt"
Deswegen will ich zunächst auf das Teilwort "alt" im Begriff "Verwaltung" eingehen.
Ich meine mit "alt" nicht den Begriff "altmodisch", wie er gegenwärtigen Verwaltungsprozessen nachgesagt wird, im Unterschied zu den "smarteren" Prozessen in der freien Wirtschaft.
Ich will mit dem Begriff "alt" einen kurzen soziokulturellen Rückblick in die Geschichte der Verwaltung machen.
Der kulturelle Stil einer Verwaltung hängt von ihrer Spitze und im weiteren Sinne vom jeweiligen Staat und dessen Gesellschaft ab. So hatten und haben die Höfe von Monarchien oft Erbämter. Der Eintritt in die Verwaltung des chinesischen Kaiserreiches war nur nach schwierigen literarischen und kalligraphischen Prüfungen möglich. In der kirchlichen Verwaltung ist der Priesterstand Voraussetzung für mache Ämter. Während der Aufklärung wurden eigene Stile der "rationalen" Verwaltung geschaffen. Dagegen bevorzugen Diktaturen Verwaltungen mit weitgehenden Kontrollaufgaben ("Kaderverwaltung") zum Machterhalt und gefügigem Personal.
Fachverwaltungen setzen stets auch speziell geschultes Personal (Sachbearbeiter) voraus.
Bei diesem Rückblick wirken moderne öffentliche Verwaltungen, egal auf welcher Ebene, des Öfteren durchaus alt. "Erbämter" heißen heute "der muss aus meinem Ort sein", und verhindern die Einhaltung des definierten Geschäftsganges. Es wird versucht, Abkürzungen zu schaffen, die oft eine langwierige rechtliche Korrektur nach sich ziehen. Auch sind ansatzweise diktatorische Züge erkennbar, gefügiges Personal durch entsprechende Entwicklungsentscheidungen und in Kontrollfunktionen zu schaffen.
Zurück zur Verwaltung!
Die Schere zwischen Dynamik und Rechtssicherheit bringt uns immer wieder an Grenzen. Forderungen von Bürgern, Räten und Bürgermeistern - zumindest auf unserer Ebene der Verwaltungsgemeinschaft - mit dem Versuch der verwaltungsfernen Priorisierung der Prozesse führen oft an Belastungsgrenzen.
Und dass eine Verwaltung Geld kostet, noch mehr aber die Projekte, vulgo die Wünsche der Bürger, das wird wenig verstanden.
Der Begriff Gemeinschaft
Gemeinschaft bezeichnet in der Soziologie und der Ethnologie eine überschaubare soziale Gruppe (beispielsweise eine Familie, Gemeinde, einen Clan oder Freundeskreis), deren Mitglieder durch ein starkes "Wir-Gefühl" eng miteinander verbunden sind - oftmals über Generationen.
Gemeinschaften werden von ihren Mitgliedern gegen Außenstehende abgegrenzt, ohne dass diese das notwendig erkennen müssten.
Empfinden wir uns als eine solche Gemeinschaft, haben wir diese starke "Wir-Gefühl"? Ist es auch so stark, dass wir mühelos weitere Mitglieder in unsere Gemeinschaft aufnehmen können oder, wie bei der ILE, aufs Engste mit ihnen zusammenarbeiten können?
Das Teilwort "gemein"
Die Abgrenzung wird aber nicht nur gegenüber Außenstehenden praktiziert, sie kann auch einzelne Mitglieder der Gruppe betreffen. Ich habe vorhin von früheren Auflösungstendenzen der jungen Verwaltungsgemeinschaft berichtet. Das Gefühl zu kurz zu kommen, nicht ausreichend oder ausreichend schnell die eigenen Interessen befriedigt zu bekommen, ist immer wieder zu hören. "Gemein, dass die schon wieder etwas bekommen haben, dass es bei denen schneller geht!"
Wir müssen das Teilwort "ein" im Wort "Gemeinschaft" betonen
Das Eine (altgriechisch τò ἕν to hen, lateinisch unum) ist ein philosophischer Begriff. Der griechische Philosoph Plato hat in seiner "Prinzipienlehre" schon das "Eine" angesprochen. In der neuzeitlichen Philosophie hat Hegel dies weiter ausgearbeitet. Das Eine als etwas Übergreifendes und Sich-Bestimmen drückt erst das wahre Sein aus.
Ich bin guter Hoffnung, dass wir nicht noch weitere 40 Jahre brauchen, dieses vollkommen "Eine" aus der Verwaltungsgemeinschaft Zellingen zu formen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!





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